Schlüsselabgabe, Erster Teil

Hof des Kunsthauses Tacheles in Berlin Im “Boxkampf” des Kunsthaus Tacheles e.V. mit der Gläubigerin des Eigentümers kam es gestern zu erneuter Verwirrung. Die HSH Nordbank faxte eine Stunde vor Eröffnung der Zwangsversteigerung (die sie beantragt hatte!) an das Amtsgericht Mitte eine Bitte um Aufhebung des Termins und Einstellung des Verfahrens.

Verwirrend genug sind seit langem schon die internen Streitigkeiten zweier Gruppen im Kunsthaus an der Oranienburger Straße. Auf der einen Seite die “Gruppe Tacheles” – das sind überwiegend kommerziell Gewebetreibende um das Café Zapata und seinen Pächter Ludwig Eben. Auf der anderen Seite Teile des Vereinsvorstandes um Martin Reiter. Die Fronten sind seit Jahren verhärtet, in diversen Foren und Veröffentlichungen wird gegeneinander gehetzt und geklagt, auch schon mal Hausverbote erteilt.
Die Einen warfen den Anderen Veruntreuung von Geldern vor und zahlten deswegen keine Mieten mehr. Der Verein seinerseits klagte daraufhin erfolglos auf Räumung des Cafés und der Metallwerkstatt. Dies geschah bereits 2003. Seitdem im Jahr 2008 der eher symbolische Mietvertrag mit dem Besitzer (der Immobiliengruppe Fundus) nicht verlängert wurde, hängt eine Räumung von Gebäude und Gelände wie ein Schwert über allen – egal auf welcher Seite.

Die heutige Schlüsselübergabe eines Teils der Nutzer (das ist die “Gruppe Tacheles” mit dem Café Zapata, Studio 54, Kalerie, Kino et al.) kann als ein deutliches Zeichen der Aufgabe gesehen werden – sozusagen das geworfene Handtuch der halben Mannschaft. Der Rest des Vereins munkelt von einer “Bestechungsmillion”, die an die Gruppe Tacheles geflossen sei. Tim Africa,  Sprecher der ausgezogenen Gruppe, bestätigte eine Zahlung soeben  gegenüber dem Sender Radio Eins.

Detail am Kunsthaus Tacheles in Berlin Die Hoffnung schwindet für den Erhalt der Künstlerruine in Berlins Mitte. Erst recht, wenn die Stadt weiterhin nicht bereit ist, in den Kampf um das  Filetgrundstück (Verkehrswert 35,1 Millionen Euro) einzusteigen. Ein Kaufangebot der öffentlichen Hand wäre ein deutliches Zeichen. Die Refinanzierung durch Verpachtung sei möglich, so Martin Reiter vom Tacheles e.V.

Doch davon will man in der Berliner Politik nichts wissen. Nach den Pleiten und Pannen der letzten Jahre im Bereich Bauen in der Hauptstadt (siehe Spreedreieck) bleibt wohl auch für die Künstleroase Tacheles kaum noch Hoffnung. Die letzte Runde  scheint eingeläutet, bedauerlicherweise!

SPIEGEL-TV berichtete 2010 über die Situation.

Zur Zeit keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

SEO Powered by Platinum SEO from Techblissonline