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Home > Länderinformationen > Deutschland > Bunte Hauptstadt Berlin > Sehenswert > Brücken in Berlin > Oberbaumbrücke

Oberbaumbrücke



Der spätmittelalterliche Oberbaum war die Zoll- und Einfuhrgrenze auf der Spree nach Berlin, also ein Stadttor auf dem Wasser. Der Name leitet sich von quer im Fluss liegenden Baumstämmen ab, mit denen die Zufahrt versperrt wurde. Flussabwärts gab es entsprechend einen Unterbaum.

Von der Stadt Berlin wurden 1894 der Architekt Otto Stahn und die Ingenieure James Hobrecht und August Hertwig mit dem Bau eines Flussüberganges beauftragt. Sie stellten die neugotische Bogenbrücke mit ihrer zweistöckigen Brückentafel bis 1902 fertig. Baukosten: ca. 2 Millionen Goldmark. Es entstand eine Brücke, die sowohl der historischen Verbundenheit Berlins mit der Mark Brandenburg optisch entspricht, als auch den ständig steigenden Verkehrsanforderungen der Stadt gerecht wurde.

Brandenburgischer Adler und Berliner Bär auf der Oberbaumbrücke in Berlin. Foto: Jörg Alsdorf

Das 124 Meter lange Bauwerk besteht aus Beton und Mauerwerk. Die Brückentürme sind Tortürmen aus dem Mittelalter nachempfunden. Auf ihren kegeligen Hüten sind sie in 28 Meter Höhe mit Wappentieren verziert: Linksseitig mit dem Brandenburgischen Adler, rechtseitig mit dem Berliner Bären. Der unter dem Viadukt gelegene Gang erinnert ganz bewusst an mittelalterliche Kreuzgänge. Zum Bauschmuck gehören neben hübschen Mosaiken auch die Stadtwappen von 7 märkischen Städten: Küstrin, Frankfurt, Prenzlau, Potsdam, Salzwedel, Brandenburg und Stendal.

Straßenunabhängig überquert die Berliner U-Bahn auf einem Viadukt die Spree. Der erste Zug der Hochbahn fuhr am 15. Februar 1902 vom Bahnhof Stralauer Tor über die Oberbaumbrücke bis zum Potsdamer Platz. Dieses Datum stellt die Geburtsstunde der Berliner U-Bahn dar.

Auf Hitlers Nerobefehl hin (Zerstörung wichtiger Straßen und Brücken in der Reichshauptstadt) wurde im April 1945 der mittlere Teil der Brücke gesprengt – er wurde als ein Provisorium bis 1951 wieder aufgebaut. Das verbindende Straßenviadukt über der Mühlenstrasse konnte (oder wollte) vom Ostberliner Magistrat nicht realisiert werden.

In der Zeit der Teilung Berlins in allierte Sektoren gehörte die Oberbaumbrücke zum sowjetischen Sektors – die Grenze zum Westen (amerikanischer Sektor) lag am linken Flussufer. Mit dem Bau der Berliner Mauer versiegten die Passanten- und Verkehrsströme im August 1961 schlagartig. Auch in der Nähe der Oberbaumbrücke kam es zu Fluchtversuchen von Ostberlinern, wie z. B. am 8. Oktober 1962, als der 60-jährige Anton Walzer von Grenzpolizisten im Wasser erschossen wurde.
Ein Grenzübergang für Fußgänger wurde erst 1972 eingerichtet.

Nach der Öffnung der Mauer und der Vereinigung wurde eifrig saniert. Den modernen Mittelteil gestaltete der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava (siehe auch: Kronprinzenbrücke). Auch der Straßenübergang an der Stralauer Allee wurde wiederhergestellt. Die Umbaukosten erreichten 70 Millionen D-Mark. Bei der Sanierung wurde am Grund der Spree das Original einer Kugel von den Brückentürmen gefunden. Es befindet sich heute im Berliner U-Bahnmuseum.

Seit der Bezirksfusion von 1998 (23 Stadtbezirke in Ost und West wurden zu 12 Bezirken vereinigt) gehört die Oberbaumbrücke zum kleinsten, jedoch am dichtest besiedelten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Die vom Berliner Tagesspiegel so genannte “Spaß-Guerilla” meldete für Juli 1998 eine Demonstration unter dem Namen “Obst- und Gemüseschlacht” an. Innerhalb von 2 Stunden bewarfen die “Bewegung Groß-Friedrichshain” und die “Kreuzberger Landwehr in Gründung” (und sicherlich auch andere) einander mit Wasser, faulen Tomaten, Fischen und Puddingbomben. Jedes der bis 2008 ausgetragenen Spektakel hat die Friedrichshainer Seite gewonnen…

Stein – Papier – Schere: Seit 1997 leuchten nach Einbruch der Dunkelheit bis 1 Uhr nachts zufallsgesteuerte Leuchtobjekte des deutschen Künstlers Thorsten Goldberg. Zitat: “ … weil es einfache Zeichen benutzt, ist es überall verständlich: Zwei Menschen stehen sich gegenüber und versuchen, zu einer Entscheidung zu kommen, wo es keine argumentative und keine gewaltsame gibt.”





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