(ehem. Palais Cardinal)
Kardinal Richelieu ließ sich 1629 in direkter Nachbarschaft zum Louvre sein eigenes Palais vom Hofarchitekten Lemercier erbauen. Nach seinem Tod 1642 “erbte” der König Ludwig XIII. den Besitz, aber schon im darauffolgenden Jahr starb auch er. Seine Witwe zog mit dem noch jungen Ludwig XIV. ein, das Palais Cardinal erhielt dazu seinen heutigen Namen. Doch auch Ludwig zog mit Mutter und Bruder bald wieder aus und überließ das Haus Henrietta von Frankreich (der jüngsten Tochter von Henri IV.), die sich hier im Exil aufhielt. Deren Tochter, Henrietta von England, heiratete den schwulen Bruder des Sonnenkönigs, Philipp von Orléans. Der war, um den Thron nicht zu schwächen, in Mädchenkleidern erzogen worden und zeigte – auch nach der Heirat mit Henrietta – offen seine Homosexualität. Als Abfindung für den Thronverzicht erhielt Philipp das Palais Royal. Es wurde zu seinen Lebzeiten ein Ort lockerer Weltläufigkeit, die Atmosphäre war hier wesentlich entspannter als gegenüber im Louvre oder gar in Versailles. Im angebauten Palasttheater spielte Molières Truppe zeitkritische Stücke vor dem königlichen Hof , seit 1680 befindet sich hier die Comédie Française. Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Gärten des Geländes mit gleichförmigen Gebäuden umbaut. Zu ebener Erde wurden Säulengänge errichtet, hinter denen schon damals Geschäfte, Spielsäle und Vergnügungsstätten einzogen.
Vom Palais Royal aus soll der Revolutionsführer Desmoulin im Juli 1789 die Volksmenge zum Aufstand gegen den König aufgerufen haben. Vor der königlichen Polizei war man hier sicher – sie durfte nicht auf den Besitz des Herzogs von Orléans vordringen.
Der gesamte Gebäudekomplex galt bis zur Schließung der Casinos 1838 als einzigartige Spielhölle von Paris. (Der – spielsüchtige – preußische Generalfeldmarschall Blücher hat hier Millionen verzockt!)
In der Zeit der Restauration nach 1872 richtete der Staat im Palais Royal das Oberste Verwaltungsgericht und den Verfassungsrat (entspricht dem dt. Bundesverfassungsgericht) ein. Heute befindet sich das französische Kultusministerium im östlichen Gebäudeflügel an der Rue de Valois – gegenüber der Banque de France.
Im Hof des ursprünglichen Gebäudeareals befindet sich seit 1986 das konzeptionelle (und begehbare) Kunstwerk Les Deux Plateaux des franz. Künstlers Daniel Buren. Es zeigt verschieden hohe schwarz-weiße Marmorsäulen, die durch die Erdoberfläche zu wachsen scheinen – ein beliebtes Fotomotiv vor barocker Kulisse.
Adresse:
Place du Palais Royal
75001 Paris
Lage:
1. Arrondissement
Verkehrsverbindung:
Palais Royal – Musée du Louvre
Busse 21, 27, 69, 76, 81 und 95.





