Auch bei dichtester Bebauung der Stadt mit repräsentativen und Wohnvierteln gibt es große Friedhöfe im Zentrum. Die Nekropole Paris zählt 14 – in der nächsten Umgebung der Hauptstadt finden sich 6 weitere.
Am bekanntesten sind die 3 Hauptfriedhöfe Père-Lachaise, Montmartre und Montparnasse. Hinzu kommt die Begräbnisstätte im Museum der Katakomben, wo die Gebeine von ca. 6 Millionen Menschen unbegraben liegen. Nicht vergessen werden soll auch der Friedhof der Kuscheltiere in Asnières-sur-Seine.
Friedhof von Montparnasse (Südfriedhof)
Er besteht an dieser Stelle seit 25. Juli 1824. Durch die Erweiterung der Stadtmauern von 1860 gehört das Gelände erst seitdem offiziell zu Paris. Er ist mit seiner Ausdehnung auf 19 ha der zweitgrößte Friedhof der Stadt.
Mit seiner Vielzahl von Grabstätten bedeutender Schriftsteller, Künstler und öffentlichen Personen ist er ein wahrhaftiger Tempelgarten. Die Größe des Turmes von Montparnasse erscheint ziemlich unbedeutend dagegen, eröffnet aber durchaus interessante Fotomotive.
Links im Bild der Grabstein für Eugène Ionesco.
Die Inschrift heisst übersetzt:
Ich bete zu ich weiss nicht wem – Ich hoffe, Jesus Christus.
Weitere bekannte Persönlichkeiten, die hier bestattet sind:
Serge Gainsbourg (Sänger, Schauspieler, Komponist, Schriftsteller – gestorben 1991 in Paris)
André Citroën (Ingenieur und Automobilkonstrukteur – gestorben 1935 in Paris)
Simone de Beauvoir (Schriftstellerin, Philosophin, Feministin – gestorben 1986 in Paris)
Jean-Paul Sartre (Philosoph und Schriftsteller – gestorben 1980 in Paris)
Tristan Tzara (Rumänischer Schriftsteller, Mitbegründer des Dadaismus – gestorben 1963 in Paris)
Man Ray (US-amerikanischer Fotograf, Maler und Objektkünstler des Dadaismus und Surrealismus – gestorben 1976 in Paris)
Bernard Lacoste (Modeschöpfer – gestorben 2006 in Paris)
Jean Seberg (US-amerikanische Schauspielerin, Ikone der Nouvelle Vague, u.a. “Außer Atem” – gestorben 1979 in Paris)
Eintritt: frei
Lage:
14. Arrondissement
Verkehrsverbindung:
Métro
: Edgar Quinet
Busse 28, 58, 91, 94, 95 und 96.
Friedhof in Montmartre (Nordfriedhof)
Bereits 1792 wurden hier Tote unter die Erde gebracht. Allerdings alles andere als feierlich: Seinen Ursprung hat der Montmartre-Friedhof in einem Massenbegräbnis von mehr als 500 Soldaten der Schweizergarde. Die Palastwache Ludwigs XVI. war bei der Volkserhebung 1792 im Tuilerienpalast von Revolutionären massakriert worden. Ihre Leichen schaffte man kurzerhand in die Kalkstollen des Hügels Montmartre, damals noch außerhalb der Stadt gelegen. Heute erinnert immerhin noch ein Weg auf dem Friedhof an die getöteten Gardisten (Chemin des Gardes).
Regulär eröffnet wurde der Nordfriedhof dann allerdings am 1. Januar 1825.
In ganz Paris herrscht Platzmangel, so auch auf den Friedhöfen. Dicht an dicht liegen die Gräber.
Unter der opulenten Grabstelle von Èmile Zola (unweit des Eingangs) herrscht Leere: die Gebeine des französischen Schriftstellers wurden 1908 ins Panthéon überführt.
Alexandre Dumas (fils) trat erst mit Veröffentlichung seines Werkes “Die Kameliendame” aus dem Schatten seines viel berühmteren Schriftstellervaters Alexandre Dumas (père).
Auf dem Grabstein des Dichters Heinrich Heine finden sich die folgenden Worte:
Wo wird einst des Wandermüden
letzte Ruhestätte sein ?
Unter Palmen in dem Süden ?
Unter Linden an dem Rhein ?
Werd’ ich wo in einer Wüste
eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh’ ich an der Küste
eines Meeres in dem Sand?
Immerhin ! Mich wird umgeben
Gottes Himmel dort wie hier,
und als Totenlampen schweben
nachts die Sterne über mir.
Testamentarisch verfügte der Düsseldorfer Heine, auf dem Friedhof in Montmartre begraben zu werden (“…da ich eine Vorliebe für dieses Quartier hege, wo ich lange Jahre hindurch gewohnt habe.”)
Unter vielen weiteren bekannten Persönlichkeiten fanden die letzte Ruhe hier auch die folgenden:
François Truffaut (Filmregisseur, u.a. “Fahrenheit 451″ – gestorben 1984 in Neuilly-sur-Seine)
André-Marie Ampère (Physiker und Mathematiker, Namensgeber der Einheit für Stromstärke – gestorben 1836 in Marseille)
Vaslav Nijinski (russischer Tänzer und Choreograph, gilt bis heute als “der perfekte Tänzer” – gestorben 1950 in London, umgebettet 1953)
Jacques Offenbach (Operettenkomponist, u.a. “Orpheus in der Unterwelt”, “Hoffmanns Erzählungen” – gestorben 1880 in Paris)
Edgar Degas (Maler und Bildhauer des Impressionismus, u.a. “Die blauen Tänzerinnen”, “Rennpferde in Longchamp” – gestorben 1917 in Paris)
Jakob Ignaz Hittorf (aus Köln stammender Architekt und Archäologe, u.a. Place de la Concorde – gestorben 1867 in Paris)
Adolpe Sax (Belgischer Musiker und Instrumentenbauer, Erfinder des Saxophons – gestorben 1894 in Paris)
Stendhal (Schriftsteller, u.a. “Schwarz und Rot”, “Die Kartause von Parma” – gestorben 1842 in Paris)
Dalida (Sängerin und Schauspielerin, u.a. “Milord”, “Er war gerade 18 Jahr’” – gestorben 1987 in Paris)
Eintritt: frei
Lage:
18. Arrondissement (Montmartre)
Adresse:
20, Avenue Rachel,
Paris 75018
Verkehrsverbindung:
Métro
Blanche oder
Métro
und
Place de Clichy.
Friedhofsführungen nach telefonischer Anfrage unter 01 40 71 75 60.
Friedhof des Père Lachaise (Ostfriedhof)
Zu seiner Eröffnung 1804 lag auch dieser Friedhof noch weit vor den Toren der Stadt, wo sich einstmals ein weitläufiger Landbesitz des Jesuitenordens befand. Diesem Orden gehörte auch Pater de la Chaise an. Er war der Beichtvater von Sonnenkönig Ludwig XIV. und Namensgeber des Friedhofes. Die Gestaltung in der Art eines englischen Gartens übernahm Alexandre-Théodore Brongniart, der seit 1813 hier begraben liegt.
Die Überstellung der Särge zweier Pariser Berühmtheiten erhöhte die Popularität des stadtfernen Friedhofes schlagartig: 1817 wurden Moliére und La Fontaine hier endgültig bestattet. Kurze Zeit später fand die Umbettung von Héloïse und Abélard statt. Ihnen folgten bis heute Hunderte berühmter und/oder wohlhabender Persönlichkeiten. Zwischen 1824 und 1850 wurde das Friedhofsgelände 6 Mal erweitert. Seit der Stadtvergrößerung von 1860 gehört es zum eigentlichen Stadtgebiet der “Hauptstadt des 19. Jahrhunderts”.
Die Grabgestaltung ist sehr vielfältig und macht aus der Reise zu den Toten bei aller gebotenen Pietät ein Vergnügen. Die Bestattungskultur vornehmlich des 19. Jahrhunderts wurde zunehmend zu einem Gestaltungskult: Gotisch anmutende Familiengrüfte aus Sandstein stehen neben ausladenden antikisierenden Mausoleen und verträumt wirkenden Grabmonumenten aus Lavagestein, Marmor und Granit. Herzanrührend und poetisch sind die auf vielen Gräbern dargestellten Plastiken, Skulpturen, Ornamente und Verzierungen. Ein Teil des Friedhofes wurde von den Stadtvätern unter Denkmalschutz gestellt. So kann mit Fug und Recht von einem Freiluftmuseum gesprochen werden.
Im nordöstlichen Teil steht eine Urnenhalle (hier u.a. die Asche von Marcel Proust und Guillaume Apollinaire sowie eine symbolische Urne für Maria Callas).
In den Gräbern finden sich die Überreste einer Vielzahl berühmter und bekannter Persönlichkeiten. Hier nur eine kleine Auswahl:
Eugène Delacroix (Maler der Romantik, Wegbereiter des Impressionismus – gestorben 1863 in Paris)
Honoré de Balzac (Schriftsteller der Romantik und des Realismus, u.a. “Die menschliche Komödie” – gestorben 1850 in Paris))
Édith Piaf (Chansonsängerin, genannt: der “Spatz von Paris” – gestorben 1963 in Plascassier)
Gertrude Stein (US-amerikanische Schriftstellerin, Verlegerin, Kunstsammlerin – gestorben 1946 in Paris)
Alice B. Toklas (US-amerikanische Kochbuchautorin, Freundin und Lebensgefährtin von G.Stein – gestorben 1967 in Paris)
Oscar Wilde (Irischer Schriftsteller, u.a. “Das Bildnis des Dorian Gray” – gestorben 1900 in Paris)
Amedeo Modigliani (Italienischer Maler und Bildhauer – gestorben 1920 in Paris)
Jim Morrison (US-amerikanischer Sänger und Lyriker, Frontmann der “Doors” – gestorben 1971 in Paris)
Georges-Eugène Baron Haussmann (Präfekt von Paris, Stadtplaner im zweiten Kaiserreich – gestorben 1891 in Paris)
Mauer der Föderierten
In der Südostecke kam es in den Tagen der Pariser Kommune zu einem letzten harten Kampf zwischen verschanzten Kommunarden und Regierungstruppen. 147 überlebende Aufständische wurden im Morgengrauen des 28. Mai 1871 an der Friedhofsmauer erschossen und ihre Leichen dort verscharrt. Das Massengrab mit nachweislich 1018 Toten ist eine Gedenkstätte besonderer Art – sie wird gern als Wallfahrtsort von politischen Parteien und Gruppen genutzt.
Mit über 70.000 Gräbern auf 44 Hektar der grösste und mit über 3.000 Bäumen zugleich der grünste Friedhof auf Pariser Stadtgebiet. Dieser Umstand macht einen Besuch in der “Steinwüste” Paris sehr lohnenswert! Man kann ihn durchaus als die grüne Lunge von Paris bezeichnen, sind doch die eigentlichen Gärten und Parks der Stadt (etwa Tuilerien, Monceau oder Luxembourg) bei Weitem nicht so reichhaltig bepflanzt.
Der Friedhof hat 4 Eingänge. An der Porte des Amandiers (Nordwestecke) und der Porte de Gambetta (Nordostseite) sind kostenlose Lagepläne erhältlich. Angebotene Führungen kosten 6 €, für Kinder 3 €.
Lage:
20 Arrondissement
Adresse:
8, Blvd. de Ménilmontant
75020 Paris
Verkehrsverbindung:
Métro
und
Père Lachaise oder
Métro
und
Gambetta
Bus 26, 57, 76.
Hundefriedhof in Asnières-sur-Seine
1899 eröffnet, gilt er als der älteste Tierfriedhof der Welt. Seit 1987 steht er unter Denkmalschutz. Auf diesem Friedhof finden sich Gräber und Denkmale vieler berühmter Haustiere, vornehmlich Hunde. Als am 15. Mai 1958 vor dem Eingangstor des Friedhofes ein herrenloser Hund starb, setzte man ihm, stellvertretend für alle anonym gestorbenen Tiere ein Denkmal. Hinzu kam später ein eigens für verstorbene Katzen errichtetes Katzenhaus.
Gleich am Eingang wird der Besucher begrüßt von einer beeindruckenden Grabskulptur für den wohl berühmtesten Bernhardiner der Geschichte. Barry, der zum Tierbestand des St. Bernhards-Hospitals gehörte, soll zwischen 1800 und 1812 nicht weniger als 40 Menschen das Leben gerettet haben.
Rintintin - ein deutscher Schäferhund, der in den 1920-er Jahren DER tierische Filmstar schlechthin war. Spielte in 26 Filmen.
Tiger - der zahme Hauslöwe (sic!) der Schauspielerin, Journalistin und Frauenrechtlerin Marguerite Durand.
Kroumir, die Katze des französischen Schriftstellers und Politikers Rochefort, starb aus Gram 4 Tage nach dem Tod ihres Herrn.
Dora, Papillon und Leo - verdiente Polizeihunde in Paris und Asnières. Letzterer gestorben im Einsatz.
Prince of Wales – Bühnenhund, der von 1905 bis 1906 insgesamt 406 Mal auf der Bühne des Théâtre du Gymnase stand.
Desweiteren Pupuce, Sultan, Minouchette, Ulysse, Rubis. Die allermeisten der ca. 40.000 hier bestatteten Tiere hatten, wenn schon kein Leben im Glanz der Öffentlichkeit, so doch zumindest ein Herrchen oder Frauchen mit entsprechend gut gefülltem Portemonnaie.
Öffnungszeiten:
März bis Oktober von 10-18 Uhr
Oktober bis März von 10-16:30 Uhr
Montags geschlossen.
Eintritt (Lageplan inkl.):
Erwachsene 3 €
Kinder von 6-12 Jahren 1 €
Kinder unter 6 Jahren frei.
Lage:
Asnières-sur-Seine, eine Kommune nördlich von Paris
Adresse:
4, pont de Clichy
92600 Asnières-sur-Seine
Verkehrsverbindung:
Von Paris aus leicht erreichbar mit dem Bus 54. Einen Streckenplan aller Buslinien in Paris finden Sie hier.





